Auf dem falschen Dampfer.

Über Asperger, Autismus und Abenteuer auf hoher See.

Silvester — 2017-12-31

Silvester

Silvester.

Ist nicht mein Ding. War nie mein Ding.

Das unverhoffte Geknalle, die sich merkwürdig verhaltenden Leute, die schlechte Luft, das Gejammer über zu wenig Geld hier und zu niedrige Löhne dort, aber Milliarden, die in die Luft geschossen und verpulvert werden. Völlig irrational.

Die Zahl der Silvesterpartys in meinem Leben bleibt daher überschaubar. Auch in diesem Jahr fliehe ich vor dem Trubel.

Es gab zwar eine Einladung und das ist nett, doch mir graut vor der Heimkehr mitten in der Nacht. Einfach weil Autofahren bei Nacht nicht mein Ding ist. Und anders kann man in Deutschland nicht mehr sicher bei Nacht reisen. Oder wer will schon an Neujahr in der Frühe an einem Bahnhof stehen? Also ich nicht. Ich möchte das auch unter dem Jahr spätabends nicht mehr.

Also gehe ich ins Büro, sitze am Schreibtisch und arbeite vor und arbeite nach, schreibe, lese und habe mir eine Doku mitgenommen, die ich mir als „Pausenfüller“ gönnen werde.

In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr beschäftige ich mich seit vielen Jahren schon mit den Dingen, die im neuen Jahr für mich wichtig sein sollen.

So beginne ich die Bücher, die ich lesen will, in diesen Tagen. Meist sind das dann mehrere Titel und sie bilden dann einen eigenen Stapel. Alles, was ich im neuen Jahr (kennen)lernen möchte oder die Fortbildungen, die auf mich warten, damit beschäftige ich mich in dieser Zeit.

Um kurz vor zwölf werde ich „einen Blick aus dem Fenster werfen“ (Rw).

Vermutlich mit Wehmut. Weil auch Silvester Jahr für Jahr aufs Neue zeigt, dass ich anders ticke.

Vermutlich mit Vorfreude, weil ich mir in den nächsten Tagen noch einige angenehme Dinge gönnen werde: Ich muss mir und meiner Gesundheit Gutes tun.

Solltet ihr alle 🙂

Passt auf euch auf.

Captain.

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Draining shields. Sensory impacts. — 2017-11-19

Draining shields. Sensory impacts.

Es ist mir ein Bedürfnis, den vorangegangenen Beitrag zu erklären. Er ist von mir vielleicht ein wenig aus der Situation heraus getippt worden und ich war wirklich sehr, sehr verärgert über die Dauerbeschallung durch den Nachbarn …

Es gibt verschiedene sensorische Eindrücke, die bei mir „einschlagen“. Damit meine ich: Sie stören nicht nur, sondern sie lösen etwas in meinem Kopf aus.

Das können visuelle Reize sein (zu grelles oder flackerndes Licht), Gerüche (Parfüm) oder Geräusche (plötzliche Geräusche, andauernde schrille Geräusche, aber auch ein vermeintlich „leises“ Tropfen, Klackern, Summen).

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„Gartennazis.“ Oder so. —

„Gartennazis.“ Oder so.

Wenn mein Nachbar loslegt und trommelt und kreissägt und auf sonstige Weise lärmend die Zeit verbringt, muss ich an Reinhard Mey und seinen Ruf nach Ruhe denken. Oft schreie ich dann selbst „Gartennazi!“ (bei geschlossenem Fenster, versteht sich).

Neulich bat ich den viel beschäftigten Säger, Sänger, Trommler, Hobbygärtner, als dieser wieder einmal im Innenhof Lärm verbreitete, er möge doch noch 24h warten … das war an einem Sonntag um 8:30. Da kreischte ein Bandschleifer oder wie auch immer dieses Höllengerät hieß. Da nannte er mich einen ungemütlichen Nachbarn, da ich ihn nicht in Ruhe arbeiten ließe. Ernsthaft?!

Wahnsinn. Muss man eigentlich als Mieter Ruhestörungen aufspüren und abstellen? Muss ich auf die Notwendigkeit von Erholung hinweisen? Muss man immer die Autismus-Karte ziehen, um in Ruhe gelassen zu werden? Oder terrorisieren derartige „Mit“menschen einen dann umso mehr? Ich will’s nicht ausprobieren müssen.

Furcht und Schrecken. — 2017-10-10
Jahrestag. — 2017-06-25

Jahrestag.

Ein Jahr soll es schon her sein, dass dieser Blog vom Stapel gelaufen ist.

Doch ich war seltener im Funkraum, um Nachrichten zu senden als ich mir vorgenommen hatte.

Sogar den Autistic Pride Day habe ich nicht durch einen Post bedacht. Ich hatte ihn nicht vergessen, aber ich kam einfach nicht dazu, konnte mich nicht aufraffen.

Die letzten Monate waren – anstrengend, die Reise auf meinem Dampfer durchs Leben beschwerlich. Na ja, die üblichen „Hochs und Tiefs“, wie man sagt, dazu Stürme, hohe See, sogar Piraten.

Ich bin zwar der Captain auf diesem Schiff, aber eben ein Aspie-Captain. Ich stecke das nicht so leicht weg, für mich ist das alles weitaus anstrengender als für Menschen in meiner Umgebung, die etwa eine Ungerechtigkeit wegstecken und sagen: „Dann sollen diese Leute eben Recht haben.“ Oder: „Dann habe ich meine Ruhe.“ Ich kann damit auf diese Weise nicht umgehen. Ich muss Dinge „ausfechten“. Andernfalls bleiben sie immerzu in meinem Kopf „aktiv“, fallen mir immer wieder ein, kreisen und lenken mich ab.

Ich wünsche mir, meine Reise führt mich in ein Land, in dem ich so leben, arbeiten, schreiben, genießen, ausruhen kann wie ich das gerne tun würde.

„Maschine stop!“ — 2016-08-30

„Maschine stop!“

Es ist mal wieder geschehen: Alle Maschinen schweigen und ich treibe.

Ich war mit den Turbulenzen und teilweise chaotischen Zuständen der Rückreise völlig überfordert. Was vor einem Urlaub immer geschieht, nämlich, dass ich allein schon durch das viele Planen und Packen und Putzen (!) urlaubsreif werde, dies haben die wenigen Stunden der Rückreise bewirkt: Ich benötige Urlaub von dem Urlaub.

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Rettungsringe — 2016-08-10

Rettungsringe

Zum Glück gibt es etwas, an dem man sich festhalten kann, so etwas wie Rettungsringe auf dem Ozean des Alltags:

  • jemand, der mich – nicht spontan, sondern weit im Voraus – zum Frühstück einlädt
  • ein Song, der Erinnerungen an einen Kinobesuch in Jugendtagen wachruft
  • ein Ausflug zu einer dieser alten, zerfallenen Ruinen, die ich so mag
  • gutes Essen in einem stillen Restaurant
  • die ausgefallene, witzige Nachricht um kurz vor 6.00
  • der Busfahrer, der für mich auf der Strecke anhält, damit ich nicht so weit durch die Mittagshitze laufen muss
  • der Spaziergang durch den Wald, das Waten im eiskalten Bach

 

All das ändert nichts an der Situation, an meinem Leben: Das „Treiben im Ozean“ (fig.) ist gefährlich, jeder von uns kann darin untergehen. Es ändert nichts daran, dass ich mich angespannt und ängstlich und mutlos fühle, nichts wird dadurch besser oder einfacher.

Aber es tut gut zu wissen, dass es Situationen gibt, in denen ich nicht meine „Hilfsprogramme“ benötige, um zu funktionieren, Momente in denen ich nicht sofort und sogleich reagieren muss, Momente ohne Erwartungen an mich, Momente, in denen ich etwas erhalte, einfach so.

Ferien! — 2016-07-28

Ferien!

Ferien.

Sie werden das Schuljahr über von Lehrern und Schülern gleichermaßen herbeigesehnt. Wer viel gelernt, hart gearbeitet oder eine Menge bewältigt hat, der will nicht nur Erholung, der hat sie nötig.

Da mir Strukturen helfen, durch den Tag, die Woche, den Monat zu kommen, stellen Ferien eine Herausforderung dar: Keine Aufgaben, keine Arbeit, d.h. keine Strukturen wartet auf mich.

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Flasche leer. Oder wie wichtig es ist ausreichend „Kohle zu bunkern“. — 2016-07-03

Flasche leer. Oder wie wichtig es ist ausreichend „Kohle zu bunkern“.

Stell‘ Dir vor, Du hast Durst.

Durst kann ganz schlimm sein. Vor allem dann, wenn bei sportlichen Anstrengungen die Flasche leer ist.

Als Radfahrer sind wir zum Beispiel auf Touren, die von Radsportvereinen ausgerichtet werden, immer gut versorgt: Es gibt in regelmäßigen Abständen Stationen, an denen die Sportler mit „Häppchen“, Bananen und Flüssigkeit versorgt werden.

Andernfalls würden wir alle vom Sattel kippen! Weiterlesen

Schwimmen: So muss es sein. — 2016-06-28